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Minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie: was sie kann, und was nicht

Bei der minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie wird die Wirbelsäule über kleine Schnitte mit Mikroskop, Röhren oder Endoskop erreicht; Muskeln werden beiseitegeschoben statt abgelöst. Das bedeutet meist weniger Blutverlust, weniger frühe Schmerzen und einen kürzeren Klinikaufenthalt. Das Langzeitergebnis hängt vor allem davon ab, ob die richtige Operation für das richtige Problem gewählt wird, nicht von der Größe des Schnitts.

Das Wichtigste in Kürze

  • Minimalinvasiv ist eine Art zu operieren, keine eigene Operation. Es gilt für Diskektomie, Dekompression und Versteifung.
  • Typische Vorteile: kleinere Narben, weniger Muskelschaden, weniger Blutverlust, kürzerer Klinikaufenthalt.
  • Beim Bandscheibenvorfall fanden Studien ähnliche Langzeitergebnisse für die tubuläre und die herkömmliche Mikrodiskektomie.
  • Bei Versteifungen verringern minimalinvasive Techniken Blutverlust und Aufenthaltsdauer, bei ähnlicher Verknöcherung und ähnlichen Langzeitergebnissen in den meisten Studien.
  • Mein Grundsatz: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Manche Probleme brauchen weiterhin einen größeren, offenen Zugang.

Was zählt zur minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie?

Minimalinvasive Techniken
TechnikEingesetzt bei
Mikrochirurgie über einen kleinen Schnitt mit dem OperationsmikroskopBandscheibenvorfall, Dekompression bei Spinalkanalstenose
Tubuläre Retraktoren (ein Rohr statt Muskelhaken)Bandscheibenvorfall, einseitige Dekompression mit Erweiterung zur Gegenseite („over the top“)
Vollendoskopische Operation (Schnitt unter 1 cm)Bandscheibenvorfall, Foramenstenose; siehe endoskopische Wirbelsäulenchirurgie
Perkutane Schrauben (durch die Haut) und MIS-TLIFVersteifung und Stabilisierung, auch bei manchen Brüchen; siehe Spondylodese
Kyphoplastie und Vertebroplastie (Nadeln)Osteoporotische Wirbelbrüche; siehe Kyphoplastie

Ist minimalinvasiv besser als offen operiert?

Die ehrliche Antwort: In den ersten Tagen und Wochen ist sie meist schonender, langfristig bei richtiger Indikation gleich gut. In einer niederländischen Studie (Arts et al., JAMA 2009) brachte die tubuläre Diskektomie nach einem Jahr keine besseren Ergebnisse als die herkömmliche Mikrodiskektomie. Bei der Versteifung zeigte die minimalinvasive TLIF weniger Blutverlust und einen kürzeren Aufenthalt, bei ähnlichen Ergebnissen nach zwei Jahren in den meisten Studien.

Wichtiger als der Schnitt ist, ob die Operation die tatsächliche Ursache Ihrer Beschwerden behandelt. Eine kleine Operation für das falsche Problem hilft nicht.

Mehr: minimalinvasiv oder offen operieren.

Für wen eignet sich die minimalinvasive Operation?

Oft geeignet

  • Bandscheibenvorfall an Lenden- oder Halswirbelsäule
  • Spinalkanalstenose in einer oder zwei Etagen
  • Versteifungen über eine oder zwei Etagen bei Wirbelgleiten
  • Manche Brüche und osteoporotische Wirbelbrüche

Oft offene Operation nötig

  • Große Korrekturen von Fehlstellungen (Skoliose, Flachrücken)
  • Revisionsoperationen mit viel Narbengewebe
  • Ausgedehnte Tumoren oder Entzündungen
  • Lange Versteifungen über viele Etagen

Welche Risiken gibt es, und wie lange dauert die Erholung?

Die Risiken sind weitgehend die der eigentlichen Operation: Infektion, Blutung, Duraverletzung, Nervenverletzung, erneuter Vorfall und bei Versteifungen ausbleibende Verknöcherung oder Schraubenprobleme. Über einen kleinen Zugang ist die Sicht enger; das verlangt Erfahrung mit der Technik.

Erholung: Nach einer minimalinvasiven Diskektomie oder Dekompression gehen die meisten Patienten nach 1 bis 3 Tagen nach Hause, nach einer minimalinvasiven Versteifung nach etwa 2 bis 4 Tagen. Siehe Tipps für die Erholung nach einer Wirbelsäulen-OP.

Fragen zur minimalinvasiven Operation

Nehmen Sie diese Fragen zu Ihrem nächsten Termin mit. Gute Operateure beantworten sie gern.

  1. Welche Operation genau ist geplant, und ist der minimalinvasive Weg der richtige für mein Problem?
  2. Was würden Sie offen anders machen, und warum wählen Sie es nicht?
  3. Wie oft führen Sie diesen minimalinvasiven Eingriff durch?
  4. Was ist der Plan, wenn der Zugang während der Operation erweitert werden muss?
  5. Mit welcher Erholungszeit kann ich realistisch rechnen?

Sollte ich vor einer minimalinvasiven Operation eine Zweitmeinung einholen?

Eine Zweitmeinung ist sinnvoll, wenn das Hauptargument für eine Operation lautet, dass sie „minimalinvasiv“ ist, oder wenn Sie unsicher sind, ob Sie überhaupt eine Operation brauchen. Ein kleiner Schnitt macht eine unnötige Operation nicht nötig.

Wenn ich eine solche Empfehlung prüfe, prüfe ich zuerst die Indikation und dann die Technik.

Schriftliche Zweitmeinung auf Grundlage Ihrer Unterlagen

Ich prüfe Ihren MRT- oder CT-Befund, vorhandene Bilder und die Empfehlung Ihres Arztes und antworte schriftlich innerhalb von 5 Werktagen nach vollständigen Unterlagen, auf Deutsch, Englisch oder Arabisch. Pauschal 149 €. Die Zweitmeinung beruht ausschließlich auf Ihren Unterlagen und ersetzt nicht die Untersuchung oder Behandlung durch Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt.

Sprechstunde in Stolberg

Wenn Sie persönlich kommen können, vereinbaren Sie einen Untersuchungstermin im Krankenhaus, in dem ich arbeite: dem Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg bei Aachen.

Warnzeichen: Gehen Sie sofort in die Notaufnahme

Warten Sie nicht auf eine Zweitmeinung, wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken:

  • Taubheitsgefühl im Reithosenbereich (zwischen den Beinen, am Gesäß oder im Genitalbereich)
  • neue Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
  • Schwäche oder Taubheit in Beinen oder Armen, die zunimmt
  • Fieber zusammen mit starken Rückenschmerzen

Gehen Sie in die nächste Notaufnahme oder rufen Sie den Notruf 112 an. Warum diese Zeichen dringend sind

Porträt von Omer Boshara, Wirbelsäulenchirurg

Über den Autor

Omer Boshara, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Oberarzt, zertifizierter Wirbelsäulenchirurg (DWG-Basiszertifikat)

Ich setze mikrochirurgische, tubuläre, endoskopische und perkutane Techniken ein, wann immer sie zum Problem passen, als Oberarzt für Wirbelsäulenchirurgie am Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg.

  • Facharztanerkennung durch die Ärztekammer Nordrhein
  • Basiszertifikat der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG)
  • Mitglied der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG)

Mehr über meine Ausbildung und Erfahrung

Häufige Fragen zur minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie

Heißt minimalinvasiv weniger riskant?

Nicht automatisch. Blutverlust und frühe Schmerzen sind meist geringer, die Hauptrisiken gehören aber zur Operation selbst. Erfahrung mit der Technik ist wichtig.

Wird minimalinvasiv ambulant operiert?

Manche kleine Eingriffe können ambulant erfolgen. In Deutschland bleiben die meisten Patienten nach einer Diskektomie oder Dekompression 1 bis 3 Nächte.

Kann eine Versteifung minimalinvasiv erfolgen?

Ja, über eine oder zwei Etagen in vielen Fällen, mit Schrauben durch die Haut und einem Cage über einen kleinen Zugang.

Ist die Narbe klein?

Meist 1 bis 4 cm, je nach Technik; perkutane Schrauben brauchen mehrere kleine Schnitte.

Ist endoskopisch dasselbe wie minimalinvasiv?

Die endoskopische Operation ist eine der minimalinvasiven Techniken, mit dem kleinsten Schnitt. Mikroskopische und tubuläre Techniken sind weitere.

Können Sie meine Operationsempfehlung online prüfen?

Ja. Ich biete eine schriftliche Zweitmeinung auf Grundlage Ihres MRT-Befunds, vorhandener Bilder und der Empfehlung Ihres Arztes an, für 149 €. Sie ersetzt nicht die Untersuchung oder Behandlung durch Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt.

Quellen

  1. Arts MP, et al. Tubular diskectomy vs conventional microdiskectomy for sciatica: a randomized controlled trial. JAMA 2009;302:149–58.
  2. Gadjradj PS, et al. Full endoscopic versus open discectomy for sciatica. BMJ 2022;376:e065846.
  3. NICE. Low back pain and sciatica in over 16s: assessment and management (NG59). 2016, updated 2020.

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