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Rückenmarkstimulation: wem sie helfen kann, wie die Testphase abläuft, was Sie erwartet

Die Rückenmarkstimulation (SCS) behandelt chronische Nervenschmerzen, vor allem anhaltende Beinschmerzen nach einer Rückenoperation, mit schwachen elektrischen Impulsen aus Elektroden über dem Rückenmark. Sie repariert nichts, sondern verändert die Verarbeitung der Schmerzsignale. Eine Testphase von etwa ein bis zwei Wochen zeigt, ob sie Ihnen hilft, bevor ein dauerhaftes Gerät eingesetzt wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die SCS ist für chronische neuropathische Schmerzen gedacht, die trotz guter konservativer Behandlung mindestens 6 Monate bestehen, am häufigsten Beinschmerzen nach Rückenoperation, und für das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS).
  • Sie behandelt Schmerz, kein strukturelles Problem. Lässt sich ein eingeengter Nerv noch befreien, kommt das meist zuerst.
  • Zuerst kommt eine Testphase mit vorläufigen Elektroden. Nur wenn die Schmerzen deutlich nachlassen, meist um mindestens die Hälfte, wird der dauerhafte Impulsgeber eingesetzt.
  • Studien zeigen bei vielen ausgewählten Patienten eine spürbare Schmerzlinderung, aber nicht bei allen; eine placebokontrollierte Studie bei Rückenschmerzen nach Operation fand keinen Nutzen.
  • Über eine SCS entscheide ich gemeinsam mit einer Schmerztherapeutin oder einem Schmerztherapeuten.

Was ist eine Rückenmarkstimulation?

Dünne Elektroden werden in den Raum direkt außerhalb der Rückenmarkshaut (Epiduralraum) gelegt, entweder über eine Nadel oder über eine kleine Öffnung. Sie sind mit einem Impulsgeber verbunden, ähnlich einem Herzschrittmacher, der unter der Haut von Gesäß oder Bauch sitzt. Die Stimulation steuern Sie mit einer Fernbedienung.

Ältere Systeme erzeugen ein Kribbeln über dem schmerzhaften Bereich. Neuere Programme wie Hochfrequenz- oder Burst-Stimulation wirken bei vielen Patienten ohne spürbares Kribbeln.

Wem kann eine Rückenmarkstimulation helfen?

SCS kann infrage kommen

  • Beinschmerzen, die nach einer oder mehreren Rückenoperationen bleiben, mit Nervenschmerzcharakter
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
  • Schmerzen seit mindestens 6 Monaten trotz Medikamenten, Physiotherapie und Schmerztherapie
  • Psychologische Abklärung und Erwartungen vorab besprochen

Meist zuerst andere Schritte

  • Ein Nerv, der noch durch Bandscheibe oder Verengung eingeengt ist und operativ behandelt werden kann
  • Rückenschmerzen allein ohne Nervenschmerzen
  • Unbehandelte Depression oder unklare Diagnose
  • Gerinnungsstörungen oder Infektionen

Mehr: Rückenmarkstimulation bei chronischen Schmerzen und Postnukleotomie-Syndrom.

Wie laufen Testphase und Implantation ab?

  • Abklärung mit einer Schmerztherapeutin oder einem Schmerztherapeuten, Bildgebung zum Ausschluss einer behandelbaren Ursache und oft ein psychologisches Gespräch.
  • Testphase: Vorläufige Elektroden werden gelegt und an einen äußeren Stimulator angeschlossen. Etwa ein bis zwei Wochen testen Sie die Wirkung im Alltag.
  • Entscheidung: Lassen die Schmerzen deutlich nach (meist um 50 % oder mehr) und können Sie mehr tun, wird der dauerhafte Impulsgeber eingesetzt.
  • Nachsorge: Das Programm wird in den folgenden Wochen angepasst; wiederaufladbare Impulsgeber müssen regelmäßig geladen werden.

Was zeigt die Forschung, und welche Risiken gibt es?

In der PROCESS-Studie (Kumar et al., Pain 2007) hatte etwa die Hälfte der Patienten mit Beinschmerzen nach Rückenoperation mit SCS plus medikamentöser Behandlung mindestens 50 % weniger Beinschmerzen, mit medikamentöser Behandlung allein weniger als 1 von 10. Die britische NICE empfiehlt die SCS bei chronischen neuropathischen Schmerzen nach erfolgreicher Testphase. Eine placebokontrollierte Studie (Hara et al., JAMA 2022) bei Patienten mit chronischen Rücken- und Beinschmerzen nach Operation fand keinen Vorteil gegenüber einer Placebo-Stimulation. Das zeigt, wie wichtig eine sorgfältige Auswahl ist.

Risiken: Verrutschen der Elektroden, Infektion, Schmerzen am Ort des Impulsgebers, technische Defekte und selten eine Verletzung des Rückenmarks. Über die Jahre braucht ein nennenswerter Teil der Patienten eine weitere Operation, zum Beispiel zur Lagekorrektur einer Elektrode oder zum Batteriewechsel.

Fragen vor einer Rückenmarkstimulation

Nehmen Sie diese Fragen zu Ihrem nächsten Termin mit. Gute Operateure beantworten sie gern.

  1. Wurde eine behandelbare Ursache meiner Schmerzen ausgeschlossen?
  2. Sind meine Schmerzen Nervenschmerzen (im Bein) oder vor allem Rückenschmerzen?
  3. Wie wird die Testphase beurteilt, und wer entscheidet?
  4. Welches System und welche Stimulationsart schlagen Sie vor, und warum?
  5. Was bedeutet das für künftige MRT-Untersuchungen?
  6. Wie oft brauchen Patienten eine Revisionsoperation?

Sollte ich vor einer Rückenmarkstimulation eine Zweitmeinung einholen?

Eine Zweitmeinung ist vernünftig, wenn eine SCS ohne klare Erklärung Ihrer Schmerzen vorgeschlagen wird oder wenn Sie sich fragen, ob ein strukturelles Problem noch operativ behandelt werden könnte.

Wenn ich eine solche Empfehlung prüfe, schaue ich in der Bildgebung nach einer behandelbaren Ursache, prüfe die beschriebene Schmerzart und was bisher versucht wurde.

Schriftliche Zweitmeinung auf Grundlage Ihrer Unterlagen

Ich prüfe Ihren MRT- oder CT-Befund, vorhandene Bilder und die Empfehlung Ihres Arztes und antworte schriftlich innerhalb von 5 Werktagen nach vollständigen Unterlagen, auf Deutsch, Englisch oder Arabisch. Pauschal 149 €. Die Zweitmeinung beruht ausschließlich auf Ihren Unterlagen und ersetzt nicht die Untersuchung oder Behandlung durch Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt.

Sprechstunde in Stolberg

Wenn Sie persönlich kommen können, vereinbaren Sie einen Untersuchungstermin im Krankenhaus, in dem ich arbeite: dem Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg bei Aachen.

Warnzeichen: Gehen Sie sofort in die Notaufnahme

Warten Sie nicht auf eine Zweitmeinung, wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken:

  • Taubheitsgefühl im Reithosenbereich (zwischen den Beinen, am Gesäß oder im Genitalbereich)
  • neue Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
  • Schwäche oder Taubheit in Beinen oder Armen, die zunimmt
  • Fieber zusammen mit starken Rückenschmerzen

Gehen Sie in die nächste Notaufnahme oder rufen Sie den Notruf 112 an. Warum diese Zeichen dringend sind

Porträt von Omer Boshara, Wirbelsäulenchirurg

Über den Autor

Omer Boshara, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Oberarzt, zertifizierter Wirbelsäulenchirurg (DWG-Basiszertifikat)

Ich implantiere Rückenmarkstimulatoren in Zusammenarbeit mit Schmerztherapeuten, als Oberarzt für Wirbelsäulenchirurgie am Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg.

  • Facharztanerkennung durch die Ärztekammer Nordrhein
  • Basiszertifikat der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG)
  • Mitglied der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG)

Mehr über meine Ausbildung und Erfahrung

Häufige Fragen zur Rückenmarkstimulation

Heilt die Rückenmarkstimulation Schmerzen?

Nein. Sie verringert die Schmerzsignale, die das Gehirn erreichen. Viele ausgewählte Patienten haben deutlich weniger Schmerzen, selten aber gar keine mehr.

Kann ich sie vor der Implantation testen?

Ja. Eine Testphase von etwa ein bis zwei Wochen mit vorläufigen Elektroden kommt immer zuerst.

Ist mit einem Rückenmarkstimulator eine MRT möglich?

Viele moderne Systeme erlauben eine MRT unter bestimmten Bedingungen. Fragen Sie, welches System geplant ist und welche MRT-Bedingungen dafür gelten.

Wie lange hält die Batterie?

Nicht aufladbare Impulsgeber halten mehrere Jahre, aufladbare oft 10 Jahre oder länger, müssen aber regelmäßig geladen werden.

Hilft sie bei Rückenschmerzen?

Am besten wirkt sie bei Nervenschmerzen im Bein. Bei Rückenschmerzen allein sind die Ergebnisse weniger zuverlässig.

Können Sie meine Empfehlung zur SCS online prüfen?

Ja. Ich biete eine schriftliche Zweitmeinung auf Grundlage Ihres MRT-Befunds, vorhandener Bilder und der Empfehlung Ihres Arztes an, für 149 €. Sie ersetzt nicht die Untersuchung oder Behandlung durch Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt.